Hatice Yildirim

Im Gespräch mit Hatice Yildirim

Hatice Yildirim

erzählt Schüler*innen des Hamburger Louise Weiss Gymnasiums über ihre Erfahrungen im Bereich Ehrenamt.

Den Text über Hatice Yildirim kannst du dir auch als Audiodatei anhören. Dieser wird gelesen von Mitra Nazari. Sie ist 13 Jahre alt und ist Schülerin an der Fritz-Schumacher-Schule. Melissa kommt aus Ghana und lebt seit einem Jahr in Deutschland.

Hamburg, August 2020

„Lohnt sich das?“, fragt der Kopf. 
„Nein“, sagt das Herz, „aber es tut gut.“


Hatice Yildirim ist in der Türkei geboren, aber schon als Baby mit ihren Eltern nach Hamburg gekommen. Sie ist Lehrerin für Deutsch, Türkisch und Spanisch an einem Gymnasium. Ehrenamtlich engagiert sich Hatice in dem Projekt SeniorPartner der Diakonie. Dort kümmert sie sich zurzeit um zwei ältere Frauen, die alleine nicht mehr zurechtkommen. Sie hat keine religiösen Motive für ihr Engagement, sondern ist einfach davon überzeugt, dass die Menschen überall auf der Welt die Hilfe anderer Menschen brauchen und nicht allein sein wollen.

Mein Name ist Hatice Yildirim. Ich bin 47 Jahre alt und in der Türkei geboren, in Ordu, am Schwarzen Meer. Aber ich bin schon im Alter von eineinhalb Jahren nach Hamburg gekommen. Meine ganze Familie lebt hier, aber ich habe auch noch Verwandte in der Türkei. Von Beruf bin ich Lehrerin, ich unterrichte schon seit 13 Jahren Deutsch, Türkisch und Spanisch an einem Gymnasium. Und Streitschlichtung steht auch auf meinem Lehrplan.

Neben der Arbeit an der Schule bin ich seit einem Jahr auch ehrenamtlich tätig. Als so genannte Seniorpartnerin betreue ich zwei ältere Damen. Das ist ein Projekt der Diakonie. Die beiden Frauen sind schon über 80, eine kann sich kaum noch bewegen und ist auch dement. Ich begleite sie zum Beispiel bei Arztbesuchen und helfe ihr im Alltag. Die andere Dame ist im Kopf noch ganz fit, manchmal fitter als ich. Aber sie kann sich nicht gut bewegen. Ich unterhalte mich mit ihr, wir essen Kuchen, und wir möchten demnächst das Treppensteigen trainieren. Das ist eine tolle Frau mit ganz viel Humor. Ich muss sehr viel lachen, wenn ich bei ihr bin.

Zunächst war meine Motivation für mein ehrenamtliches Engagement eigentlich nur, dass ich anderen Menschen helfen wollte, sie unterstützen und Verantwortung übernehmen. Ich wollte auch ein Teil des Ganzen sein. Aber sobald man sich ehrenamtlich für andere Menschen engagiert, ist das ganz schnell kein Helfen mehr, sondern ein Geben und Nehmen. Man bekommt einfach ganz viel wieder zurück, ganz viel Freude, ganz viel Anerkennung. Das ist toll. Doch man darf keine Gegenleistung erwarten von den Menschen, die man unterstützt. Also man darf nichts Materielles erwarten. Man bekommt etwas anderes wieder.

Ich habe durch mein gesellschaftliches Engagement ganz tief erfahren, dass man nicht allein ist auf der Welt. Die Menschen brauchen Menschen. Das ist überall so. Menschen wollen nicht einsam sein. Sie wollen unterstützt werden und brauchen die Erfahrung anderer Menschen. Das ist auf der ganzen Welt so – und das hat auch gar nichts mit der Religion zu tun. Darum könnte ich mir auch vorstellen, in einem anderen Land ehrenamtlich zu arbeiten. Aber ich fühle mich sehr wohl in Hamburg und lebe sehr gerne hier.

Mehr zum Projekt Seniorpartner vom Diakonischen Werk: www.diakonie-hamburg.de
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